Serge Le Goff und Gabriele Eberspächer: Zeitferne

Wann:
11. Oktober 2020 um 11:00 – 25. Oktober 2020 um 17:00
2020-10-11T11:00:00+02:00
2020-10-25T17:00:00+01:00

Zeitferne
Erinnerungen bilden die gemeinsame Klammer dieser Doppelausstellung der beiden Tübinger Kunstschaffenden Gabriele Eberspächer und Serge Le Goff, die zum Einen im Gebäude BT24 zum anderen in der früheren Militärkapelle stattfinden.

Gabriele Eberspächer präsentiert eine erstmals gezeigte Werkserie, in denen es um das Ausloten persönlicher Erinnerungen geht. Die Mischtechniken entstehen in einem langsamen, vielschichtigen, assoziativen Arbeitsprozess, meistens auf Papier, manchmal aber auch auf anderem Trägermaterial wie Leinwand oder Vorhangstoff. Die Künstlerin kombiniert dabei malerische, zeichnerische sowie collagierende Techniken und verwendet außerdem eine selbst entwickelte Drucktechnik. Alte Fotos werden zum Ausgangspunkt eines selbst-explorativen bildnerischen Arbeitsprozesses:

Erinnerung ist keine feste Größe, sondern veränderlich. Sie entsteht immer wieder neu. Erinnerungen gleichen manchmal Traumbildern, sie rufen Gefühlszustände hervor, sie spiegeln Erlebtes und Gedachtes wieder. Die Erinnerung kann präzise oder unscharf sein, sie kann verzerrt, lückenhaft oder vage sein, sie kann uns sogar täuschen. Sie liegt verborgen unter vielen Ereignisschichten und kann mit plötzlicher Wucht an die Oberfläche geraten. Erinnerung ist nie deckungsgleich mit der Realität, aber sie kann eigene Realitäten erschaffen. Sie kann lebendig oder blass sein, isoliert auftreten oder sich mit neuen Erlebnissen und Wahrnehmungen verbinden.

Auch Serge Le Goff bezieht sich auf Erinnerungen, die er konkret mit dem Ort Münsingen verbindet:
Während seines 12-monatigen Wehrdienstes in Tübingen (August 1974 – August 1975), fuhr er zweimal zum Truppenübungsplatz in Münsingen, um Versorgung für sein im Manöver befindliches  Regiment zu bringen. Nach dem Militärdienst bleibt er als Künstler in der Universitätsstadt und im Jahr 1990 stellt er in der Münsinger Galerie LOBE aus. Vor 45 Jahren war sein erster Kontakt als Soldat, vor 30 Jahren seine erste künstlerische Begegnung mit der Stadt Münsingen.

Seit 15 Jahren ist das Militärgebiet „zivilisiert“. In diesem zum „touristischen Denkmal Geschütz-Zone“ gewordenen Gebiet haben sich Unternehmen installiert, das Militärmuseum OF5 erinnert an die Geschichte des Orts und das Kulturhaus BT 24 hat sich etabliert.

Serge Le Goff wird eine ortsbezogene Lichtinstallation in der Truppen-Kapelle realisieren. Im BT 24 präsentiert er in der Tradition der Dadaisten eine Auswahl an Assemblagen, die aus Naturmaterialien und nicht mehr verwertbaren industriellen Produkten bestehen. Durch den Einsatz von Leuchtkörpern bekommen einige davon eine neue Dimension und Präsenz bei Dunkelheit. Le Goffs Arbeiten spielen mit der Ironie über das Design, Form und Funktion passen nicht zusammen, sie sind unpraktisch, absurd und oft nutzlos. Ihr Wert ist es, einfach nur da zu sein.

Vor dem Hintergrund der Ortsgeschichte kann diese deutsch-französische Doppelausstellung auch als künstlerisches Friedenssymbol gesehen werden.

 

Lichtinstallation in einem Raum

Lichtinstallation von Serge Le Goff

 

Gabriele Eberspächer, Titel: „Red Girl – Blue Girl“, Mischtechnik auf Leinwand
Serge Le Goff: „ Ceci est un pense-bête“, Assemblage